Ein Albtraum

Im Moment erlebt die Welt der analogen Sofortbildfotografie einen Albtraum von ungeheurem Ausmaß.

Die Schwarz-Weiß-Fotografie mit Trennbildfilmen („Peel-Apart-Film”) vom Typ 100 für Polaroid-Kameras stirbt einen unausweichlichen und qualvollen Tod. Wunderbaren Kameras, wie z. B. der Polaroid 180 oder 195 SE oder der legendären 600 SE wird das Grundnahrungsmittel entzogen. Der letzte verfügbare Schwarz-Weiß-Film, der Fujifilm FP-3000B wird nicht mehr produziert. Im Moment können im Internet noch Restbestände zu horrenden Preisen und mit bereits abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erworben werden. Doch die Tage sind gezählt.

Ja, die Nachricht ist nicht neu – es ist wohl schon seit Ende 2013 bekannt, dass der letzte Produzent dieses wunderbaren Materials beschlossen hat, der Polaroid-Fangemeinde ein Brotmesser in die Brust zu rammen und solange am Griff zu rütteln, bis der Griff abbricht. Leider ist die Information in dieser Zeit an mir vorübergegangen. Bedauerlicherweise hatte ich in den vergangenen 2 Jahren nur äußerst selten die Zeit mit meinen geliebten Kameras zu arbeiten, und für die wenigen Gelegenheiten reichte mein kleiner Restbestand an Filmen noch aus. Nun wollte ich gerade wieder meine Polaroid-Fotografie intensivieren und mir daher neues Filmmaterial bestellen. Und dann das: Kaum noch Anbieter zu finden! Nur noch „abgelaufene“ Filme! Immens hohe Preise! Sehr schnell wurde mir klar, dass der vorhandene Mangel nur eines bedeuten kann: Es wird eng! Verdammt eng!

Eine schnelle Internetrecherche brachte auch direkt das Befürchtete zutage. Fujifilm produziert den geliebten Film nicht mehr. Nie mehr! Aus und vorbei!

Um ehrlich zu sein, da das, was in irgendwelchen Foren und Blogs zu lesen ist, ja nicht immer stimmen muss, habe ich natürlich meine Recherchen ausgeweitet. Auf der deutschen Herstellerseite ist der Film noch beschrieben und kein Hinweis auf einen Produktionsstopp zu lesen (Stand heute): http://www.fujifilm.eu/de/produkte/analoge-fotografie/film/ und http://www.fujifilm.eu/de/produkte/analoge-fotografie/p/fp-3000b-1/

Da keimte doch so kleines Pflänzchen Hoffnung in mir auf. Ich fand sogar eine Ansprechstelle (http://www.fujifilm.eu/de/ueber-uns/firmenprofil/fujifilm-company-sites/fujifilm-Imaging-systems/) und eine Telefonnummer. Nun da am Sonntag in großen Unternehmen in der Regel niemand zu erreichen ist, musste ich einen ganzen Tag warten, bis ich den nächsten Level der bitteren Erkenntnis erreichen sollte. Und so habe ich heute mit einem freundlichen Herren von Fujifilm Deutschland gesprochen. Dieser bestätigte das Befürchtete: Das endgültige Aus für den FP-3000B! Mit aufrichtiger Anteilnahme in der Stimme konnte er mir wenigstens zusichern, dass der Farbfilm FP-100C wohl noch weiter produziert werden soll und ein Produktionsstopp derzeit nicht beabsichtigt sei. Ein nur sehr kleiner Trost – und ein gewaltiges Damoklesschwert zugleich, denn der FP-100C ist somit der letzte Film für Polaroid-Kameras vom Typ 100 – quasi die letzte Lebenserhaltungsmaschine für diese Kameras. Und wenn der Stecker dieser Herz-Lungen-Maschine gezogen wird, dann kommt der Tod unausweichlich und sehr schnell!

Wie heißt es doch: Totgeglaubte leben länger! … und …. Nichts ist unmöglich! … Stimmt! Da gibt es doch diese wunderbare Firma in in Enschede den Niederlanden, die sich der “unmöglichen” Aufgabe verschrieben hat, die die Polaroid-Fangemeinde mit Filmen zu versorgen: „The Impossible Project“ (https://www.the-impossible-project.com/)

Da ich heute schon mal den Telefonhörer zur Hand hatte – warum also nicht gleich noch ein Telefonat führen und mal höflich anfragen, ob es vielleicht aufgrund der bestehenden Misere Absicht ist, einen Schwarz-Weiß-Trennbild-Film zu produzieren. Wieder hatte ich einen sehr höflichen und verständnisvollen Mann am Ohr. Doch leider war die Geschichte, die er mir berichtete nicht wirklich erheiternd. Es ist wohl so, dass Polaroid die letzte Produktionsstätte für solche Filme in Mexiko hatte und dass diese nach dem bitteren Ende des Unternehmens vollends verschrottet wurde. Somit stehen dem Impossible Project keine geeigneten Produktionsanlagen zur Verfügung. Auch die Anlagen von Fujifilm seien wohl für Impossible unerreichbar (nähere Gründe kannte der Mann nicht – scheinbar doch “impossible”). Somit besteht auch hier keine Chance, dass ein geeigneter Ersatzfilm jemals das Licht der Welt durch ein Polaroidkameraobjektiv erblicken wird.

Meine Kameras werden sich um die letzten Aufnahmen streiten müssen.

Im Koffer eine Polaroid 180, daneben eine 195 SE und davor eine 600 SE – und unter ihnen, eines der letzten Päckchen Futter!

Und hier sind ein paar Fotos (die ich bereits hier in meinem Blog gepostet hatte) mit dem Fujifilm FP-3000B:

Stillleben (aufgenommen mit der Polaroid 180 im April 2012; gepostet am 18.03.2013; http://blog.ehrlicher.de/archive/680)

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Anna-Christina in der Dusche (aufgenommen mit der Polaroid 195 SE im Februar 2014; gepostet am 08.02.2014, http://blog.ehrlicher.de/archive/1489)

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Julie #2 (aufgenommen mit der Polaroid 195 SE im Februar 2014; gepostet am 16.02.2014; http://blog.ehrlicher.de/archive/1510)

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Für die Vitrine

Heute haben am Antikmarkt in Tongeren/Belgien (der dort jeden Sonntagvormittag stattfindet) zwei Schätzchen den Weg in meine kleine Sammlung historischer Kameras gefunden.

Eine Holzplattenkamera im Fotoformat 13 * 18 cm mit einem Objektiv Tessar 1:6,3 f=21cm von Carl Zeiss Jena. Leider befinden sich auf dem Kameragehäuse keinerlei Hinweise auf den Hersteller und das Baujahr.

Und eine kleine Balgenkamera: Eine Ernemann Rolf 1 (Dresden, Baujahr zw. 1922 – 1925) für Rollfilm Typ Nr. 127.

Weihnachtsmarkt am Schloss Merode

Meine “Immerdabeikamera” Samsung EX1 hat mir viele gute Dienste erwiesen. Doch nun hat sie in dieser Funktion ausgedient. Ein leistungsstarker Nachfolger musste her.

Und es ist eine Fujifilm X-M1 geworden, in der meiner Erstausstattung mit einem Objektiv Fujinon XF 27mm F2.8 (für die gehobenen Ansprüche), einem Objektiv Fujinon XC 16-50mm F 3.5-5.6 OIS (für alle Fälle) und einem externen Blitzgerät Fujifilm EF-X20 (Auch wenn der integrierte Blitz gute Dienste leistet, ein leistungsstarker Blitz für professionellere Zwecke muss schon sein.).

Die ersten Schnappschüsse sind schon sehr viel versprechend. (Natürlich habe ich die Kamera nicht auf Verdacht gekauft, sondern habe mich nach einer eingehenden Recherche aufgrund der phantastischen Bewertungen dafür entschieden.) Insbesondere das Rauschverhalten ist äußerst beeindruckend – oder besser gesagt das “Nichtrauschverhalten”, wie an der folgenden Aufnahme deutlich zu sehen ist … eine Aufnahme bei ISO 3200 (!!!) – mit dem Objektiv XC 16-50mm, bei Blende 3.5, einer Belichtungszeit von 1/4s, aufgelegt auf einen Tisch. Das Foto ist nicht nachbearbeitet (außer der Verkleinerung für die Präsentation hier in meinem Blog). Und die weißen Punkte am Nachthimmel sind tatsächlich Sterne und keine Rauschartfakte!

Ich bin mir ganz sicher, es wird hier noch viele Fotos von dieser Kamera zu sehen geben.

(1200 * 858 px)

Schloss Merode (Langerwehe) bei Nacht während des Weihnachtsmarkts
Dezember 2013

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Schraubverschluss, Taschenmesser, Murmeln …

… und eine Mini-LED-Taschenlampe. Mehr brauchte es nicht für diese Aufnahmen … ach ja, und natürlich die Kamera.

Mit der kleinen Klinge eines Schweizer Taschenmessers habe ich ein Loch in einen Schraubverschluss einer Weinflasche geschnitten. Dann habe ich die Kamera (Samsung EX1) auf den Tisch gelegt, den Schraubverschluss auf das Linsengewinde gesetzt, nacheinander verschiedene Glasmurmeln auf die geschnittene Öffnung gelegt und mit einer LED-Taschenlampe angeleuchtet.

Das Ergebnis dieses kleinen Experiments sieht man auf den folgenden Fotos.

(1200 * 938 px)

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(1200 * 938 px)

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(1200 * 938 px)

Fotoexperiment im Dezember 2011