Nobuyoshi Araki „KaoRi“ by 20 x 24 Instant Film

Da war doch vor ein paar Tagen für eine äußerst kurze Zeit auf der Web-Site von „Impossible“ (www.the-impossible-project.com) – das ist die Firma, die die Polaraoid-Ära durch die Produktion und den Verkauf von Sofortbildfilmen für alte Polaroidkameras am Leben erhält – ein ganz besonderes Schmuckstück zu erwerben:

Zwölf hochwertige Drucke von Nobuyoshi Araki. Das klingt erst mal nicht sonderlich spektakulär. Doch die Details lassen aufhorchen und die Herzfrequenz eines jeden Polaroid- und auch Araki-Fans in unermessliche Höhen schnellen.

(Mit freundlicher Genehmigung) Alle Fotos: Impossible (www.the-impossible-project.com)

Im Einzelnen:

Die Fotos:
Die 12 Originalfotos wurden von N. Araki mit einer 20 x 24 Polaroid Kamera geschossen. Die Drucke entsprechen dem Originalformat mit einem hellen Rand um das Foto, sodass das Endformat ca. 67 x 100 cm beträgt. Alle Drucke sowie ein von Araki handsigniertes Deckblatt befinden sich alle zusammen in einem schlichten Holzrahmen. Es handelt sich um eine streng limitierte Auflage von gerade mal 75 Exemplaren (weltweit!). Der Preis ist mit rund 1000,- Euro, gemessen an dem Produkt und an der sehr geringen Auflage, nicht exorbitant hoch. Man darf aber davon ausgehen, dass der Preis beim Wiederverkauf erheblich in die Höhe schnellen dürfte – so wie es mit limitierten Fotobüchern und -drucken immer geschieht, und Araki, dessen Fotos teilweise für mehrere zigtausend Euro über den Tisch gehen, dürfte dafür ein weiterer Garant sein. Ein Glücklicher, wer eines der Exemplare sein Eigen nennen darf.

Das Motiv:
Kaori, eine junge, japanische Frau gehört zweifelsohne zu Arakis Lieblingsmotiven. In unzähligen seiner Werke ist sie wiederzufinden. Die Fotos zeigen eine Serie zarter Erotikaufnahmen in schwarz-weiß, in der Kaori sich ihrer Kleidung entledigt und anschließend ihren hübschen Körper nicht gerade schamhaft, aber doch unaufdringlich präsentiert. Die Fotos wirken allesamt eher wie Gelegenheitsaufnahmen – was aber ganz sicher aufgrund der verwendeten Kamera ausgeschlossen werden kann – und haben den Charme der beiläufigen Erotik. Ganz sicher würden diese Fotos jede Galerie und auch so manches Wohn- oder Schlafzimmer schmücken. Ein Glücklicher, wer eines der Exemplare sein Eigen nennen darf.

Der Künstler:
Nobuyoshi Araki ist ein sehr prominenter Fotokünstler aus Japan. Mit über 350 Buchveröffentlichungen gehört er sicherlich auch zu den kommerziell erfolgreicheren. Aktfotografie ist seine Domäne. Nicht selten spielt die sexuelle Spielart „Bondage“ (in Japan sicherlich beliebter als im westlichen Abendland) eine wichtige Rolle. Das muss man mögen, oder eben auch nicht. Die beschriebenen Bilder zeigen davon allerdings (zum Glück so gut wie) nichts. Dennoch tragen die Fotos unverkennbar die Handschrift Arakis und sprechen seine Sprache „des alltäglichen Akts“. Insofern „ein Araki der zweiten Assoziation“. Ein Glücklicher, wer eines der Exemplare sein Eigen nennen darf.

Die Kamera:
Verwendet wurde eine der legendären 20 x 24 Polaroid Kameras. Gerade mal sechs (einige Quellen sprechen auch von fünf oder sieben) Exemplare soll es auf der Welt noch geben. Das 20 x 24 steht für das Sofortbildfilmformat von unglaublichen 20 x 24 Zoll – für diejenigen, denen das Zollmaß nicht so geläufig ist, ein Zoll entspricht 2,54 cm, das bedeutet, dass das Filmformat ca. 50 x 60 cm ist. Ein gewaltiges Polaroid. Und eine gewaltige Kamera – mit ca. 107 kg Gewicht steht die Holzkamera auf einem massiven Rollstativ. Heute werden die Kameras überwiegend von prominenten Künstlern gemietet (nebst zweier Techniker), die wohl einmal in ihrem Leben „eine richtige Kamera in der Hand haben wollen“. Als im letzten Jahr die Polaroid Collection im NRW-Forum in Düsseldorf zu bestaunen war, gab es auch einige 20 x 24 – Polaroids zu sehen. Allein schon des Filmmaterials wegen lohnt sich der Anblick auf ein 20 x 24 – Polaroid – trotz des riesigen Formats ist nicht die geringste Körnung zu erkennen. Und die Fotos von Araki sind zwar nicht die Original 20 x 24 – Polaroids, aber eben hochwertige Prints in Originalgröße. Ein Fest für Polaroidfans, die sich den Spaß mit einer Originalkamera nicht leisten können. Ein Glücklicher, wer eines der Exemplare sein Eigen nennen darf – ach, das sagte ich ja schon.

Weitere Informationen (Web-Links):

Zu den oben beschrieben Fotos und zum Thema Sofortbildfotografie
The Impossible Projekt

Zum Thema Polaroid im Allgemeinen
Artikel auf Wikipedia „Polaroid“

Zum Fotografen Nobuyoshi Araki
Artikel auf Wikipedia „Nobuyoshi Araki“

Zur 20 x 24 Polaroid Kamera
20×24 Studio
YouTube-Video „Super-Sized Snapshot“

Zur Polaroid Collection
Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf „Die Polaroid Collection“
Und wer keine Gelegenheit hat, sich die Polaroid Collection in einer Ausstellung anzusehen, dem sei dieses Buch empfohlen:
From Polaroid to Impossible, Verlag Hatje Cantz
(Ganz sicher wird dieses Buch in nicht allzu weiter Ferne auch eine Rezension von mir erfahren.)